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SOMMERTHEATER
- „Ewig jung“ -

Die romantische Atmosphäre des Hofriethgärtleins in Mitten von Karlstadt,
eingebettet in historische Mauern und Türme, bietet eine tolle Kulisse für ein
Theaterspektakel der besonderen Art.

„Ewig jung“
ein Songdrama von Eric Gedeon

Regie: Werner Hofmann

- Spieltermine -

Do.
Fr.
Sa.
So.
23.07.2015
24.07.2015
25.07.2015
26.07.2015
Do.
Fr.
Sa.
So.
30.07.2015
31.07.2015
01.08.2015
02.08.2015

- Kurzbeschreibung -

Es gehört zu den bizarren Widersprüchen unserer auf Jugend programmierten Zeit, daß in die Jahre gekommene Musiker wie junge Pop-Stars gefeiert und weltweit vermarktet werden. Darauf reagierte der Pianist, Komponist und Regisseur Erik Gedeon gleichermaßen erstaunt wie fasziniert und kreierte sein Songdrama „Ewig Jung”. Doch es ist durchaus kein Drama, was sich auf der Bühne abspielt, sondern ein Schauspiel voller bissigem Witz und mitreißenden Songs.

Die Handlung ist schnell erzählt: Im Jahr 2050 hockt eine Handvoll in die Jahre gekommener Schauspieler auf verschlissenen Fundusmöbeln vor dem Eisernen Vorhang des Theaters, an dem sie zuletzt engagiert waren. Das Haus wurde längst geschlossen und die ehemaligen Mimen haben es sich zur Altersresidenz erkoren. Ihr allabendliches Unterhaltungsprogramm nehmen sie selber in die Hand, indem sie sich an vergangene große Theaterzeiten und die Musik ihrer Jugend erinnern.

Ein schönes Altenteil fürwahr – wäre da nicht Schwester Stefanie: Mit Kinderliedern und heiter Geträllertem über Siechtum, Tod und Verwesen sorgt sie bei ihren greisen Patienten für eher gedämpfte Stimmung. Kehrt sie ihnen aber den Rücken, lassen die ergrauten Rampenpanter lebenssüchtig die Sau raus und frönen der (Selbst-)Darstellung. Da werden durchaus auch Tschechow und Shakespeare zitiert, vor allem aber wird gesungen.

Die Rollen dieser sechs hochbetagten Senioren werden von Schauspielern in den besten Jahren gespielt. Alle sehen im richtigen Leben fast so alt aus wie die Rollen die sie spielen Nur Schwester Stefanie ist fast so alt wie die Schauspielerin, die sie spielt.

- Galerie -

Fotos: Gerd Nickel

- Sitzplan -

Einlass und Bewirtung ab 19:00 Uhr,
Beginn: 20:00 Uhr.



- Pressebericht -

MAIN-POST, 26. Juli 2014
von Günter Roth

Rock‘n'Roll mit morschen Knochen
Sommertheater: Musikalische Komödie mit rabenschwarzem Humor im Hofriethgärtlein

Mit einer schier unglaublichen Aufführung von „Ewig jung“ versetzte das Ensemble des Sommertheaters im Karlstadter Hofriethgärtlein sein Publikum in ein gnadenloses Wechselbad der Gefühle. Am Ende aber gab es bei der Premiere Jubel und stehenden Applaus. Großen Anteil daran hatten die vielen prächtigen Musikeinlagen mit hohem gesanglichem Niveau.

Wenn die Musik das Letzte ist, was uns im Alter in Erinnerung bleibt, wenn sie auch noch fußlahme und halbdemente Greise wenigstens zeitweise zurück ins Leben holt und zu „Rampensäuen“ werden lässt, dann hat Eric Gedeons Songdrama absolut den Nerv getroffen.

Im Jahr 2050 – wohl auf dem Höhepunkt der zu erwartenden sogenannten demografischen Veränderung – haben sechs abgehalfterte Schauspieler das geschlossene und vernagelte Theater, wo sie dereinst ihre mimischen Erfolge gefeiert haben, zu einer Alten-Wohngemeinschaft umfunktioniert. Da gibt es einen ehemaligen Musikdirektor (Christian Dunst), einen Althippie (Yannick Schmitt-Walz), einen abgehalfterten Opern- und Schlagersänger (Toni Wittmann) und den früheren künstlerischen Leiter (Werner Hofmann). Dazu gesellen sich die einst gefeierten Bühnenstars Frau Claudia (Claudia Lankes) und Frau Parodi (Marion Mahlo).

Das greise Völkchen durchlebt seine früheren Erfolge und könnte sich eigentlich wohlfühlen, wenn da nicht Schwester Stefanie (Stefanie Maselli) wäre, die scheinbar „ewig jung“ den Alten mit perfiden Liedern über Krankheit, Gebrechlichkeit und Tod die Stimmung versaut und sie in tiefe Depression versetzt.

Die alte Lebensgier erwacht

Doch kaum ist das Biest draußen, erwacht in den verkalkten Köpfen und Gliedern die alte Lebensgier. Es ist nicht nur der Joint, den Herr Yannick (alle Figuren tragen die Namen der realen Schauspieler) kreisen lässt, es ist vor allem die Musik. Da steht Frau Claudia mit ihrem Nerz auf dem alten Stuhl und schmettert „I love Rock'n'Roll“, Herr Werner und seine Frau Parodi verschmelzen mit „I got you babe“ und kurz darauf rocken die Herren Toni, Yannick und Werner ein unglaublich mitreißendes „Born to be wild“ auf der Bühne. Schon zu dieser Zeit gab es nicht nur jubelnden Beifall, einige der Zuschauer hielt es nicht mehr auf den Sitzen.

Die Texte zwischen den Liedern zeugen gleichermaßen vom Elend des Alterns und dem Aufbegehren. Sie zeigen, dass der alte Kampfgeist noch längst nicht erloschen, sondern durch morsche Knochen und falsche Gebisse nur etwas eingeschränkt ist. Rezitationen berühmter Shakespeare-Texte von Romeos Balkonszene über Hamlet und Macbeth geraten allerdings durcheinander und so zum Desaster. Dazwischen scheut man auch vor Slapstick-Einlagen nicht zurück.

Die Rollenverteilung bei „Ewig jung“ gelingt perfekt: Das musikalische Können von Christian Dunst wird zwar am Klavier keineswegs ausgereizt, ist aber das unverzichtbare Rückgrat der Songs. Claudia Lankes spielt die alte, derbe und manchmal zotige Operndiva ebenso überzeugend, wie Toni Wittmann den senilen Schussel mit Goldfischglas. Der demente Fernsehstar Frau Parodi erhält durch Marion Mahlo ein wehmütiges und zugleich komödiantisches Gesicht und Werner Hofmann spielt sich wieder mal selber – so wie er in 25 Jahren sein könnte.

Yannick Schmitt-Walz liefert ebenso eine tolle Vorstellung, wirkt aber – wie auch Dunst – von der Körpersprache her doch etwas jung. Schwester Stefanie (Maselli) ist die einzige, die sich in ihrer Altersgruppe bewegen darf, und setzt damit scharf und gnadenlos das Skalpell zwischen „Forever young“ und der harten Frage „Imagine, there is no heaven“. Sie bringt hervorragend den rabenschwarzen Humor ins Spiel – scheinbar absolut respektlos, aber in Wirklichkeit auch fürsorglich.

Keyboard im Flügel

Ein großes Lob geht auch an die Maske für die perfekte Verwandlung der Schauspieler. Und noch eins: Normalerweise zaubert Peter Gsell für solche Anlässe zauberhafte Bühnenbilder. Diesmal aber gibt es nur die alten, üblichen Kulissen. Dafür hat er mit dem Flügel auf der Bühne ein Meisterstück angefertigt. Haargenau hat er den Flügel im großen Rathaussaal nachgebaut. Anstelle der Tasten aber gibt es einen Einschub für ein Keyboard. Wer's nicht weiß, bemerkt es kaum.

„Ewig jung“ wird noch am Samstag, Sonntag und Montag aufgeführt. Außerdem täglich von Donnerstag, 31. Juli, bis Sonntag, 3. August, jeweils um 20 Uhr. Einlass ist eine Stunde vorher.

Alle Angaben ohne Gewähr.
Änderungen und Irrtümer vorbehalten.